tschingis aitmatow

< der weiße dampfer >

suhrkamp taschenbuch 51

erste auflage 1972

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collagen - teilweise aus chagallbildern gefertigt - zu dem faszinierenen buch aus kirgisistan:

 

 

 

 

 

"... Der weiße Dampfer entfernte sich. Seine Schornsteine waren durchs Fernglas schon nicht mehr zu erkennen. Bald würde er dem Blick entschwunden sein. Für den Jungen war es jetzt an der Zeit, sich für seine Fahrt auf Vaters Dampfer ein Ende auszudenken. Alles war sehr schön geraten, bloß der Schluss wollte nicht glücken. Wie er sich in einen Fisch verwandelt, wie er durch den Fluss zum See schwimmt, wie ihm der weiße Dampfer entgegenkommt und wie er dem Vater begegnet, konnte er sich leicht vorstellen. Auch alles, was er dem Vater erzählt. Aber weiter kam er nicht..." (Der weiße Dampfer, suhrkamp 49)

 

 

 

 

 

 

"So gingen sie und unterhielten sich über mancherlei. Schön und bequem war es für den Jungen, auf Kulubeks kräftigen Schultern zu reiten.

So einen Bruder müsste ich haben, träumte er. ich würde niemanden fürchten. Dann sollte Oroskul mal versuchen, den Großvater anzuschreien oder jemanden anzurühren, er würde sofort verstummen, wenn Kulubek ihn nur streng ansähe..." (Der weiße Dampfer, 126)

 

 

 

"Der Großvater hat erzählt, vor sehr, sehr langer Zeit sind feindliche Truppen gekommen, um dieses Land zu erobern. Aber da hat von unserer Schlucht San-Tasch ein solcher Wind geweht, dass die Feinde sich nicht im Sattel halten konnten. Sie saßen ab, aber auch zu Fuß kamen sie nicht weiter. Der Wind peitschte ihnen so ins Gesicht, dass sie bluteten. Da wandten sie sich vom Wind ab, doch der Wind stieß sie in den Rücken, ließ sie nicht zurückblicken, nicht stehenbleiben und verjagte sie bis auf den letzten Mann vom Issyk-Kul. So ist es gewesen. Aber wir leben in diesem Wind!"  (Der weiße Dampfer, 43)

 

 

 

 

 

"Durch die Wälder des Issyk-Kul wandelten dazumal weiße gehörnte Marale, um deren Schönheit sie die Sterne am Himmel beneideten. Es waren die Kinder der Gehörnten Hirschmutter. Niemand rührte sie an, niemand durfte ihnen etwas zuleide tun. Beim Anblick eines Marals stieg der Bugu aus dem Sattel und machte den Weg frei. Die Schönheit des geliebten Mädchens verglich er mit der Schönheit des weißen Marals..." (Der weiße Dampfer 66)

 

 

 

„… Mit Entsetzen sah der Junge dieses grauenhafte Bild. Er traute seinen Augen nicht. Vor ihm lag der Kopf der Gehörnten Hirsch-mutter. Er wollte davonlaufen, doch die Beine versagten ihm den Dienst.

Er stand und blickte auf den verunstalteten toten Kopf der weißen Maralkuh, die noch gestern die Gehörnte Hirschmutter war, die ihn noch gestern gutmütig und aufmerksam angeschaut, mit der er in Gedanken Zwiesprache gehalten und die er beschworen hatte, auf dem Geweih eine Zauberwiege mit Glöckchen zu bringen.

All das war plötzlich zu einem unförmigen Haufen Fleisch, einem abgezogenen Fell, abgeschnittenen  Beinen und einem weggeworfenen Kopf geworden…“ (Der weiße Dampfer 149)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-fortsetzung folgt -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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